Ungewöhnlich viele Siebenschläferkinder zur Pflege

21.08.20

Aktuell haben wir ungewöhnlich viele Siebenschläfer-Pfleglinge in unserer Obhut. Alleine in dieser Woche sind fast täglich verwaiste Siebenschläferkinder mit der Tierrettung oder von besorgten Findern ins TiKo gebracht worden.

In kürzester Zeit haben wir so über 20 Siebenschläferkinder aufgenommen. Woran das liegt, ist unklar… 

Siebenschläfer, eine geschützte Art

Siebenschläfer sind einzigartig. Von ähnlichen Tieren wie zum Beispiel Eichhörnchen unterscheiden sie sich zwar nicht durch ihre hervorragenden Kletterkünste, jedoch aber durch ihre langen Schnurrhaare und großen Knopfaugen, die sie schon als Junge haben. Außerdem werden sie ihrem Namen treu und halten im Gegenzug zu anderen Wildtieren besonders lange Winterschlaf, nämlich bis zu sieben Monate.

Zur Paarung orientieren sich Siebenschläfer am vorhandenen Nahrungsangebot. Ist das Angebot an Futter wie z.B. Eicheln rar, paaren sie sich seltener. Der einzige Wurf findet dann im Juli bzw. August statt. Der im Sommer geborene Nachwuchs muss dann rasch ausreichend Fettreserven aufbauen, um für den langen Winterschlaf vorbereitet zu sein. Mit den vielen Siebenschläferjungen haben unsere Tierpfleger also alle Hände voll zu tun, denn die Kleinen haben großen Hunger und brauchen rund um die Uhr Pflege. 

Was tun, wenn ein Siebenschläferkind gefunden wird:

  • Siebenschläfer nisten vor allem in Bäumen und Felsspalten, aber auch Dachböden wählen sie gerne als Nistplatz. Während der Aufzucht kann es immer wieder vorkommen, dass Junge aus dem Nest fallen. Hierbei das Junge vorsichtig zurück ins Nest setzen.
  • Allein aufgefundene Siebenschläferkinder sind nicht automatisch verwaist. In den meisten Fällen kommt die Mutter wieder und holt das Junge. Am besten über mehrere Stunden beobachten. Falls es ausgekühlt ist, kann es gewärmt und wieder an dieselbe Stelle zurückgesetzt werden.
  • Wird ein Siebenschläferkind nachweislich alleine ohne Mutter aufgefunden, braucht es dringend Wärme. Das Junge dazu am besten direkt am Körper oder in einer Fleece Decke warmhalten. Wärmelampen oder Wärmeflaschen können das Junge zu schnell aufwärmen und austrocknen.
  • Wird ein Junges gefunden sind meist noch weitere Geschwister des Tieres in der Nähe die ebenfalls Hilfe brauchen. In solchen Fällen unbedingt die Umgebung absuchen.
  • Gefundene Siebenschläferkinder bitte nicht auf Eigenregie füttern. Nahrung sollte ausschließlich nach Rücksprache mit Experten bzw. von Experten zugeführt werden. 
  • Die Pflege bzw. Aufzucht der Jungen nie selbst übernehmen. Wir bitten Finder die nächste Wildtierstation aufzusuchen oder die Tierrettung zu kontaktieren.

Unsere Empfehlung, wann man sich an die Tierrettung oder eine Wildtierstation wenden sollte:

  • Das Junge ist verletzt und hat deutlich sichtbare Wunden
  • Das Junge liegt ungeschützt im Regen oder in der prallen Sonne
  • Das Junge irrt seit mehreren Stunden alleine herum
  • Das Nest der Tiere wurde zerstört
  • Das Muttertier ist verstorben

Die Herausforderungen der Wildtieraufzucht

Wir möchten in diesem Sinne darauf aufmerksam machen und bitten, nie voreilig und unüberlegt in die Natur einzugreifen, auch wenn es gut gemeint ist. Denn während einige Tiere dringend versorgt werden müssen, weil sie z.B. verletzt sind, brauchen andere keine Hilfe und werden so ungewollt aus ihrer Umgebung gerissen oder von ihrer Mutter getrennt.

Siebenschläfer werden blind, taub und ohne Fell geboren. Kommen Siebenschläfer noch ohne Fell zu uns, haben diese ohne ihre Mutter leider kaum Überlebenschancen. Denn Handaufzuchten sind keinesfalls unproblematisch. Die richtige Fütterung, das Erkennen von Verletzungen und Krankheiten sowie die richtige Auswilderung sind alles Faktoren, die großes Fachwissen verlangen. 

Außerdem möchten wir darauf hinweisen, dass die Pflege und Aufzucht von Wildtierkindern nichts ist, das jeder als Privatperson einfach zu Hause versuchen kann. Es ist mit vielen Risiken und Herausforderungen verbunden und verlangt Expertise um Krankheiten und Bedürfnisse der Tiere rechtzeitig erkennen zu können. Eine falsche Aufzucht kann einem Tier nachhaltig Schäden bereiten und eine Auswilderung unmöglich machen.

Tierrettung und Partner für Wildtiere

Wir werden auch weiterhin bei keinem Tierleid wegschauen, auch wenn unsere Hauptverantwortung bei Haustieren liegt. Bei Notfällen wie diesen, arbeiten wir mit unserem Kooperationspartner der Natur & Wildstation Kärnten zusammen. Wir nehmen die Tiere auf, versorgen sie erst und übergeben sie dann an unseren Partner, der sie professionell pflegt und dann wieder auswildert.